Wartburgstadt Eisenach Serie

Gemeinde: Stadt Eisenach

Ausgabe: 1. April 1922

Serie: 6 Scheine

Entwurf: ??

 

Diese Serie von Notgeldscheinen mit berühmten Persönlichkeiten auf der einen und bekannten Bauwerken auf der anderen Seite wurde anlässlich der Lutherfeier 1921 herausgegeben. So findet sich auf den Scheinen ebenso die Langräfin Elisabeth, später heilig gesprochen, wie die beiden berühmten mittelhochdeutschen Lyriker und Minnesänger Wolfram von Eschenbach und Walther von der Vogelweide. Beide nahmen am legendären Sängerwettstreit auf der Wartburg beim Thüringer Landgrafen Hermann I teil.

 

Der Tannhäuser (25 Pf.)

Herr Wolfram v. Eschenbach (25 Pf.)

 

Ludwig Bechstein: Der Sängerkrieg auf der Wartburg

(aus: Der Sagenschatz und die Sagenkreise des Thüringerlandes)

 

Am Hofe des Landgrafen Herrmann von Thüringen fanden sich sechs edle und tugendsame Männer zusammen, die konnten hübsche Lieder dichten. Sie erfanden neue Gesänge, mit denen sie gegeneinander sangen und kriegten, welche Lieder daher noch den Namen haben: Der Krieg zu Wartburg, weil es auf der Wartburg über Eisenach geschah. Der erste Sänger hieß Heinrich Schreiber, war ein guter Ritter; der zweite Walther von der Vogelweide; der dritte Reinhart von Zwetzen, auch Reimar Zweter genannt; der vierte Wolfram von/ Eschenbach, diese waren alle rittermäßige Mannen und gute Wappner; Bitterolf, der fünfte, gehörte zur Dienerschaft der Landgräfin, und der sechste, Heinrich von Afterdingen oder Ofterdingen war ein Bürger der Stadt Eisenach, von einem frommen Geschlechte. Von diesen sechs Dichtern sagt und singt ein altes Gedicht:

 

Die Sechse waren Meister, zu dichten,

Manch Liedlein sie ausrichten,
Mit gar vernünftigen Sinnen
Konnten sie dar beginnen,
Geistlich und auch weltlich,

Behendiglich und auch zärtlich.

 

In ihrem Wettkampfe priesen sie laut das Lob guter Fürsten und vornehmlich das des gastlichen und kunstsinnigen Landgrafen Herrmann, nur der einzige Ofterdingen stritt gegen sie alle, und pries in seinem Gesange den Herzog von Oestreich, hob ihn hoch über alle Fürsten, und zuletzt wurden die Dichter so eifrig und der Liederkampf so ernst, daß beschlossen wurde, es solle der Unterliegende auf der Stelle sich durch den Scharfrichter, Meister Stempfel, das Haupt abschlagen lassen, oder an einen Baum aufgehenkt werden, wozu auch der Landgraf, der dieß an seinem Hofe sonst nicht gestattet hätte, um ihres kunstreichen Gesanges willen, seine Bewilligung gab. Nun sangen alle in künstlichen Weisen gegen Ofterdingen, denn sie haßten ihn, und waren neidisch auf seine Kunst, hätten ihn gern fort gehabt vom Hofe. Ofterdingen verglich/ seinen Helden mit der Sonne, und gestand allen andern Fürsten nur Sternenglanz zu; während die übrigen den Thüringer Herrn über Alles erhoben, und ihn den Tag nannten, dem die Sonne erst nachfolge. Die Worte und Bilder, deren sich die Sänger bedienten, waren nicht abgewogen und nicht schonend, vielmehr derb und verletzend und leidenschaftlich; endlich schien die Mehrzahl zu siegen, fünf gegen einen, und Ofterdingen mußte klagen, daß man ihm in Thüringen falsche Würfel vorlege, und er rief sehnsuchtsvoll aus: O, Dich entbiet ich her, Klinsor von Ungarland! Und wärst Du über See! Auf Dich beruf ich mich, Dich darf ich auserwählen, Deine Meisterschaft ist auserkoren vor allen Sängern, und solltest Du den Gries des Meeres zählen, und alle Sterne einzeln nennen, hilfst Du, so bin ich unverloren! Klinsor muß her, ihm ist des Oesterreichers Tugend wohl bekannt. Vier von den Meistern wollten seinen Tod; oft ward Stempfel aufgerufen, sich bereit zu halten, und schon wollten sie ihn ergreifen, aber er entfloh zu den Füßen der Landgräfin Sophia, die mit ihren Frauen dem Wettkampf beiwohnte, und er barg sich in ihrem Faltenmantel. Die Landgräfin erhob sich, hielt schirmend ihre Rechte über den Sänger und sprach zu seinen Verfolgern: Bin ich jemals einem unter Euch Abwehr seines Kummers und Zuflucht gewesen, so laßt mir Euern Zorn! Wem von Euch ich je die Hand bot, der läßt diesen wohl genesen. Darauf spra/chen gleich die Kampfrichter: Euer Wille geschehe, Euch gehorchen wir gern, mag er den Klinsor bringen, es wird wohl lange dauern, ehe der kommt. Nun wurde die Frist eines Jahres festgesetzt, in dieser Zeit sollte Ofterdingen den Klinsor rufen, und dessen Urtheilsspruch wolle man sich fügen, da er in allen Landen großen Ruhm habe. Und Ofterdingen beurlaubte sich von dem landgräflichen Hofe und fuhr gen Oesterreich zum Herzog Leopold, der ihm vordem wohl viel Gutes erzeigt haben mochte, daß Heinrich ihn also hoch prieß; er ward auch wieder gütig aufgenommen, und empfing Briefe und reichliche Zehrung, damit er nun weiter gen Ungarn zog, wo der große Meister Klinsor weilte. (TSS I S. 34-37)

Heilige Elisabeth (50 Pf.)

 

Ludwig Bechstein: Elisabeths Rosen

(aus: Der Sagenschatz und die Sagenkreise des Thüringerlandes)

 

Es kam über das Thüringerland eine Zeit großer Hungersnoth, daß sich die armen bedürftigen Leute genöthigt sahen, sich von Kräutern, Wurzeln und wilden Früchten zu nähren, und das Fleisch von Pferden und Eseln zu essen, diese mochten geschlachtet oder gefallen sein, an Brod dazu war nicht zu denken. Viele starben Hungers, da sie nicht einmal jene Kost haben konnten. Das nahm sich die milde Elisabeth gar sehr zu Herzen, sie ließ mahlen und backen, und das Brod von der Wartburg heruntertragen, und gab in dieser Zeit so reichliche Almosen, daß man hätte meinen sollen, sie verschenke den Werth ganzer Burgen und Städte. So barmherzig war sie, daß sie Tag und Nacht nicht ruhte, die Hungrigen zu speisen, aber es fehlte wieder nicht an Leuten, die den Landgrafen gegen die Freigebigkeit seiner Gemahlin aufzubringen suchten, und er mochte ihr wohl verboten haben, allzureichliche Spenden auszutheilen. Nun traf sich's eines Tages, daß der Fürst in der Stadt war, und die fromme Herrin von der Burg herunter ging nach der Stelle, wo sich die Armen und Kranken, die in ihr die liebreichste Mutter ehrten, versammelten, um ihre Gaben in Empfang/ zu nehmen, welche Stelle noch bis heute Armeruh genannt wird. Ihr folgte eine ihrer liebsten Jungfrauen, und beide trugen unter ihren Mänteln Körbe voll Fleisch und Brod und Eier. Da trat ihnen plötzlich der Landgraf in den Weg und fragte: Was traget ihr? Lasset sehen! Dabei deckte er den Mantel seiner Gemahlin auf und sah – den ganzen Korb voll duftender Rosen. Sie aber war so sehr erschrocken, daß sie kein Wort hervorzubringen vermochte; das dauerte ihn, und er begann ihr freundlich zuzusprechen; da nahm er mit Erstaunen wahr, was er zuvor nie gesehen, daß über ihrer reinen Stirne wie ein Diademschmuck ein wunderbares Crucifix erschien. Ungehindert ließ er sie gehen, daß sie der Kranken fürder pflege und Almosen spende, nach ihrem Gefallen. Am Weg stand ein Baum, in den ein Kreuz gehauen war, der wurde später abgehauen, und zum Zeichen jenes hohen Wunders ein steinern Bild an die Stelle gesetzt, wo es sich begab, zum ewigen Gedächtniß. Und auf der Wartburg ist die fromme und heilige Elisabeth so abgebildet, wie sie damals ihrem Herrn erschien. Dreihundert Arme speiste Elisabeth täglich in jener theuern Zeit, und als nun der Landgraf von einer Reise zurückkam, und die Amtleute und Schösser ihm klagten, daß seine Gemahlin alles verschenke, sprach er: Seid ihr deßhalb nicht gram, lasset sie Almosen geben um Gottes Willen und seid ihr selbst dazu förderlich. Wenn wir nur die Wart/burg, Eisenach und die Neuenburg behalten. Gott kann uns Alles ersetzen, wenn es ihm gefällt. (TSS I S. 63-65)

 

 

Schutzpatron v. Eisenach (50 Pf.)

 

Ludwig Bechstein: Von Ludwig dem Milden

(aus: Der Sagenschatz und der Sagenkreis des Thüringerlandes)

 

Landgraf Ludwig war ein gar erlauchter frommer Fürst, männlich und wacker im Streit, vorsichtig und weise in den Rechten, geduldig und sanftmüthig in Widerwärtigkeiten, gegen die Armen gütig und barmherzig, er ertrug ihr Geschrei und hörte/ die Klagen, die sie ihm vorbrachten, gleich als ob er ihnen die Almosen von Rechtswegen schuldig wäre. Er nährte sie, er kleidete und vertheidigte sie, er war so ein frommer Christ, daß man ihn von seiner Demuth und seines Betens wegen mehr für einen Mönch hielt, als für einen Ritter. Er war gegen alle Leute also gütig, daß man ihn den milden Landgrafen nannte. Einstmals, in dem großen Krieg gegen Herzog Heinrich den Löwen, da der Kaiser ihn mit seinem Bruder Herrmann gen Goslar geschickt, gewann er einen Streit mit dem Herzog von Braunschweig auf offenem Feld, wo er nur wenige Mannen bei sich führte, und sahe, daß er schwerlich wegen des Feindes Uebermacht der Verstrickung entrinnen werde. Da gelobte er Gott, wenn er obsiege, zur Ehre St. Georgs eine Kirche zu bauen, und der Herr half ihm von dem Feinde.

Darnach ließ er die St. Georgenkirche zu Eisenach bauen, sah aber ihre Vollendung nimmer. Denn zu dieser Zeit sandte der Papst einen Bischof gen Mainz, der predigte das Kreuz zu Hülfe dem heiligen Grabe, daß man das wieder gewänne. Und es wurden mit dem Kreuze gezeichnet Kaiser Friedrich, Landgraf Ludwig von Thüringen und Hessen, des Kaisers Schwestersohn; Graf Poppo von Henneberg, und gar viele Bischöfe, Aebte, Grafen und Herren, Ritter und Knechte, und gemeines Volk ohne Zahl./ 

 

Ludwig der Milde vollbrachte manche tapfre That, doch er erkrankte, reiste zurück, und starb auf der Insel Cypern. Die Seinen begruben sein Fleisch, seine Gebeine aber führten sie in das Vaterland und gen Reinhardsbrunn, da wurde er neben seinen Eltern herrlich bestattet. Und da er von der Tochter des Herzogs von Oesterreich, Frau Margarethen, seiner dritten Gemahlin, keine Leibeserben hatte, so fiel das Land auf seinen ältesten Bruder Herrmann, den der Kaiser zu einem Pfalzgrafen von Sachsen gemacht hatte. (TSS I S. 32-34)

 

Herr Walther von der Vogelweide (75 Pf.)

Junker Jörg (75 Pf.)

 

Ludwig Bechstein: Junker Jörg

(aus: Deutsches Sagenbuch)

 

Nach der Zeit ward ein Mann Abends auf die Wartburg gebracht; da wohnten schon keine Landgrafen mehr droben, sondern ein Hauptmann und Amtmann, der hiéß Hans von Berlepsch, und der mit ihm den gefangenen Mann brachte, hieß Burkhard Hund von Mengkheim, der hatte seinen Burgsitz auf dem Altenstein jenseit des Thüringer Waldes (Sage Nr. 743.), war aber des Kurfürsten zu Sachsen Amtmann zu Gotha. Die hatten Befehl von ihrem gemeinschaftlichen Herrn dem Kurfürsten erhalten, einen Mann, der von Möhra her über den Wald beim Altenstein die Straße nach Sachsen ziehen werde, mitten im Walde aufzuheben, um ihn wohlbewacht, doch ungefährdet auf die Wartburg zu bringen und denselben dort gut zu halten und zu pflegen, auch statt des mönchischen Gewandes, das selbiger Mann trug, ihm ein ritterlich Gewand und ein Schwert zu geben. Und sollte der gefangene Mann sich nennen Junker Jörg, weil er ritterlich stritt gegen den Drachen der Pfaffenverblendung, welche den Menschen so vielen Mißtrost gaben, wie jener Papst Urban dem armen Ritter Tanhäuser, und jene Predigermönche zu Eisenach dem freudigen Landgrafen. Und that Junker Jörg droben auf der Wartburg die größte Ritterthat des Geistes, die je (außer Christus) ein Mann gethan, er übertrug das Wort Gottes, das alleinige Wort des Heils, die Bibel, in die deutsche Sprache. Solche Arbeit ärgerte und verdroß dem Teufel gewaltiglich, und er umsummsete und umbrummsete den gelahrten Ritter und Doctor gar arg und wollte ihn irre machen, ließ ihm auch des Nachts keine Ruhe, sondern rasselte und rappelte in den Nüssen, die der Doctor in einem Sack unterm Bette hatte, polterte auch auf dem Boden und auf dem schmalen Gang im Ritterhause, vor der Zelle, herum, aber der Doctor sprach bloß: bist du's, so sei es! – Aber endlich hat doch einmal der Doctor aus Zorn, als er wieder recht eifrig arbeitete und der Teufel in Gestalt einer Hummel oder Hurnauspe recht eifrig um ihn herumsummsete, das Tintenfaß genommen und es nach ihm geworfen, daß ein großer Tintenfleck an der Wand worden, und von da ab hat ihn der Teufel auf Wartburg in Ruhe gelassen. Der Fleck ist aber zum Andenken geblieben, und wenn die Wand überstrichen worden, ist er wieder zum Vorschein gekommen, und endlich hat jeder, der's gesehen, davon ein Bröcklein zum Wahrzeichen mit sich davon tragen wollen, da hat es freilich verschwinden müssen, und ist jetzt eher ein Loch in der Wand, als ein Fleck. (S. 407)